Das mächtige Wasser

Flutkatastrophe an der Elbe: Land unter rund um Tangermünde! Unser Elbstädtchen hat schon immer mit dem Elbhochwasser zu kämpfen, und dass jedes Frühjahr die Elbe bei Pegelstand 5,00 m über die Hafenmauer steigt, ist normal. Doch was Anfang Juni 2013 passierte, sprengte jede Vorstellung:

8,36 m war der höchste Pegelstand am 9.6.2013; die Rosspforte unten am Hafen stand halbvoll mit Wasser, die Stadt ragte wie eine Insel über kilometerbreite geflutete Flussauen.

„Können wir überhaupt anreisen?“ fragten die Gäste. Die Antwort ist: Ja, unsere Häuser sind nicht betroffen, man kann von der 12m hohen Stadtmauer die unglaubliche Katastrophe wie von einem Logenplatz aus beobachten. Allerdings brach am 10.6. der Deich bei Fischbeck gegenüber von Tangermünde, und seitdem war die B 188 Richtung Rathenow nicht mehr befahrbar, und auch der Zugverkehr aus Berlin wurde eingestellt. Problemlos blieb aber weiterhin die Anfahrt über die Autobahn bei Magdeburg (Abfahrt Barleben, dann weiter über Wolmirstedt, Colbitz, Lüderitz nach Tangermünde).

Wie der bei Tangermünde sonst 100m breite Fluss am 9. Juni 2013 beim höchsten Pegel aller Zeiten aussah, konnten wir erleben, als wir mit einem der letzten Züge über die nun mehrere Kilometer breite Elbe fuhren, bevor der Zugverkehr auf dieser Brücke eingestellt wurde. Die letzten Sekunden des Videos zeigen den unter Hochdruck stehenden Deich, der 2km entfernt dann um Mitternacht brach und etliche Dörfer überflutete. Drei Tage später war dann auch die Bahnstrecke selbst überflutet, und wann die dabei schwer beschädigte Brücke wieder für ICEs passierbar sein wird, weiß jetzt, Anfang Juni, noch kein Mensch.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Die Stadt. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu “Das mächtige Wasser

  1. Heute, am 14. Juni, ist Tangermünde eine Insel im weiten Elbe-Meer. Unsere Häuser (und die historische Altstadt drumrum) sind nicht in Mitleidenschaft gezogen, aber die Stadt ist von allen östlichen Verbindungen abgeschnitten und zur Zeit nur über die Straße Barleben/Wolmirstedt/Colbitz/Lüderitz oder über Stendal zu erreichen.

    Nachdem einige Gäste abgesprungen sind, sind die Häuser teilweise leer. Wir haben deshalb die Gelegenheit genutzt und lassen Flutopfer – aktuell: Zwei Familien aus Fischbeck und Hohengöhren – kostenlos dort wohnen.

  2. ***Danke dafür, Tina und Martin!*** meine freunde in kamern haben 90 cm Wasser im haus, Öl etc. ganz zu schweigen, zu anderen, direkt am see, gar kein Kontakt mehr. kuhlhausen und garz konnten wir gerade noch retten, alle haben mitgeschippt.

  3. Jetzt, am 1. Juli, ist das Wasser klar gesunken. Sogar die Hafenpromenade ragt schlammverkrustet wieder aus den Fluten, und Tangermünde ist aus Richtung Osten wieder ganz normal über die B188 erreichbar. Auf den Feldern im Umkreis von 5km um den Fluss verfaulen die Fische, und die Ernte ist hinüber – unsere Stadt an der Elbe aber hat das Hochwasser gut überstanden wie eine Trutzburg, und von unseren Häusern wurde keines in Mitleidenschaft gezogen. Allen sitzt noch immer der Schreck in den Gliedern – aber auch Solidarität und nachbarschaftliche Hilfe haben große Eindrücke hinterlassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.